Der Anschluss an das Eisenbahnnetz Ende des 19. Jahrhunderts katapultierte unsere beschauliche landwirtschaftliche Gemeinde schlagartig in das Industriezeitalter. Diese umfangreiche Archivkiste beinhaltet die zähen Verhandlungen des Bürgermeisters mit der königlichen Eisenbahndirektion, um die Linienführung der Trasse durch das Gemeindegebiet zu lenken. Weiterhin finden sich hier die Enteignungs- und Entschädigungsakten für die Bauern, die Teile ihrer Felder für den Gleisbau abtreten mussten. Die großformatigen Baupläne des repräsentativen Bahnhofsgebäudes aus rotem Backstein zeugen von dem enormen Stolz auf dieses Infrastrukturprojekt. Nach der Eröffnung des Bahnhofs erlebte der Ort einen sofortigen wirtschaftlichen Boom: Handwerker konnten ihre Waren überregional verschicken, eine Ziegelei siedelte sich am Gleisanschluss an und erste Pendler fuhren zur Arbeit in die nahegelegene Stadt. Die Akten sind ein Lehrstück über den enormen Einfluss der Verkehrsinfrastruktur auf die Ortsentwicklung.