Dieses Archivdokument aus der Hochphase des Zweiten Weltkriegs zeugt von einem tiefen Einschnitt in das emotionale und religiöse Leben der Gemeinde. Im Rahmen der sogenannten ‘Metallspende des deutschen Volkes’ wurde staatlich angeordnet, dass Kirchengemeinden ihre wertvollen Bronzeglocken abliefern müssen, um daraus Kanonen und Munition für die Rüstungsindustrie zu gießen. Die Akte enthält den Befehl der Kreisleitung, die Inventarliste der Pfarrei sowie den herzzerreißenden Augenzeugenbericht des Mesners über den Tag, an dem die beiden ältesten und klangschönsten Glocken unter den Tränen der Gläubigen aus dem Turm gehoben und auf Lastwagen abtransportiert wurden. Lediglich die kleinste Sterbeglocke durfte im Turm verbleiben. Nach Kriegsende bemühte sich die Gemeinde jahrelang vergeblich, die Glocken auf dem sogenannten Glockenfriedhof in Hamburg wiederzufinden, bevor schließlich in den 1950er Jahren Ersatz gegossen werden musste.