Zu Beginn des 20. Jahrhunderts glichen die Straßen in unserem Ort nach starken Regenfällen tiefen, unpassierbaren Schlammlöchern. Mit der aufkommenden Motorisierung und den strenger werdenden Hygienevorschriften beschloss der Rat eine epochale Baumaßnahme: Die Hauptstraße wurde erstmals mit robusten Granitsteinen gepflastert und erhielt unterirdische Abwasserrohre. Die voluminöse Bauakte beinhaltet faszinierende Korrespondenzen mit den Steinbrüchen, Berechnungen über die tausenden benötigten Pflastersteine und Arbeitsverträge für die schwer schuftenden Steinesetzer. Besonders aufschlussreich sind die Bürgerbeschwerden, die in der Akte gesammelt wurden. Viele Anwohner wehrten sich vehement gegen die finanzielle Umlage der Baukosten, die sie als ‘unnötigen neumodischen Luxus’ bezeichneten. Andere klagten über den ohrenbetäubenden Lärm der neuen Stahlreifen-Fuhrwerke auf dem harten Steinpflaster. Ein wunderbares Dokument über den steinigen Weg in die Moderne und den Wandel der kommunalen Infrastruktur.