In den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Krieg wuchs die Verwaltung der Gemeinde rasant an. Das alte, verwinkelte Amtshaus platzte aus allen Nähten, weshalb der Gemeinderat Anfang der 1970er Jahre einen großen Architekturwettbewerb für einen Rathausneubau ausschrieb. Die Archivakte enthält die prämierten Entwürfe, zahlreiche Blaupausen und die hitzigen Sitzungsprotokolle des Bauausschusses. Der letztlich realisierte Sichtbetonbau im Stil des Brutalismus war damals in der Bevölkerung stark umstritten, galt aber bei Fachleuten als mutiges Statement moderner Architektur. Die Dokumente zeigen die detaillierte Raumplanung, von der großzügigen Schalterhalle für den Publikumsverkehr bis hin zum holzgetäfelten Ratssaal im Obergeschoss. Auch die massiven statischen Berechnungen für den atombombensicheren Bunker im Kellergeschoss spiegeln die reale Bedrohungslage des Kalten Krieges wider. Ein spannendes Konvolut, das die städtebauliche Transformation der Gemeinde in der Nachkriegsmoderne hervorragend dokumentiert.