Ein seltener und überaus intimer Einblick in den Bildungsalltag des 19. Jahrhunderts: Das erhaltene Tagebuch des ersten fest angestellten Dorfschullehrers erzählt von den immensen Hürden bei der Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht auf dem Land. Der Lehrer schildert in gestochen scharfer Kurrentschrift seine Frustration darüber, dass besonders zur Erntezeit die Schulbänke leer blieben, weil die Kinder auf den Feldern der Eltern mithelfen mussten. Neben pädagogischen Notizen enthält das Buch auch detaillierte Aufzeichnungen über die kargen Lebensverhältnisse des Lehrers, dessen Gehalt teilweise in Naturalien wie Korn, Eiern und Brennholz ausgezahlt wurde. Gleichzeitig dokumentiert er stolz die langsamen Fortschritte seiner Zöglinge beim Lesen und Rechnen sowie die zähen Verhandlungen mit dem Pfarrer und dem Bürgermeister über die Anschaffung einer neuen Wandtafel. Ein wunderbares Stück lokaler Sozialgeschichte.