In den 1970er Jahren krempelte eine landesweite Gebietsreform die Verwaltungsstrukturen radikal um. Kleine, bis dahin eigenständige Dörfer wurden gezwungen, sich zu größeren Einheitsgemeinden zusammenzuschließen. Dieser Aktenordner aus dem Bürgermeisteramt zeugt von extrem hitzigen und teils erbitterten Verhandlungen. Die Eingemeindungsverträge wurden hart umkämpft: Es ging um den Erhalt des eigenen Schulhauses, die Zukunft der dörflichen Feuerwehr und vor allem um die Frage, welcher Ortsteil Namensgeber für die neue Großgemeinde werden sollte. Die Dokumente enthalten Unterschriftenlisten wütender Bürgerinitiativen, die um ihre jahrhundertealte Unabhängigkeit bangten, sowie die finalen, oft zähneknirschend unterzeichneten Fusionsverträge. Aus heutiger Sicht ist dieses Material hochinteressant, da es den Ursprung unserer heutigen kommunalen Gliederung erklärt und die tief verwurzelten Befindlichkeiten zwischen den einzelnen Ortsteilen, die teils bis in die Gegenwart spürbar sind, historisch verständlich macht.