Die in Sütterlinschrift verfasste Schulchronik des Hauptlehrers aus den Jahren des Ersten Weltkriegs ist ein beklemmendes und zugleich historisch unschätzbar wertvolles Zeugnis der Heimatfront. Der Lehrer schildert darin detailliert die massiven Auswirkungen des globalen Konflikts auf den dörflichen Schulalltag. Er berichtet von frierenden Kindern in ungeheizten Klassenzimmern, da Kohle und Feuerholz für Heereszwecke rationiert wurden, und von der ständigen Sorge um die eingezogenen Väter und Brüder. Besonders eindrücklich sind die Einträge über die organisierten Sammlungen der Schulkinder, die Eicheln, Kastanien und Altmetall für die Kriegswirtschaft zusammentragen mussten. Auch der Mangel an Schreibmaterialien und Heften wird wiederholt beklagt. Als immer mehr Lehrer an die Front gerufen wurden, musste der Unterricht zeitweise in Schichten für über achtzig Kinder gleichzeitig abgehalten werden. Die Chronik endet abrupt mit dem Einmarsch fremder Truppen und vermittelt ein authentisches Bild der Entbehrungen jener dunklen Epoche.