Nach den Schrecken des Krieges sehnten sich die Menschen nach Normalität, Gemeinschaft und Kultur. Das Protokollbuch des örtlichen Musikvereins aus dem Jahr 1948 ist ein rührendes Zeugnis dieses kulturellen Neubeginns. Es beschreibt die großen Schwierigkeiten der Musiker, die Erlaubnis zur Vereinsgründung bei der alliierten Militärregierung einzuholen. Viele Instrumente waren in den Kriegswirren verloren gegangen oder beschädigt worden. Die Akte listet detailliert auf, wie Blechblasinstrumente in mühsamer Eigenarbeit aus Altmetall repariert wurden. Notenmaterial war absolute Mangelware und wurde oft bei Kerzenschein von Hand aus alten, geretteten Partituren abgeschrieben. Trotz aller Entbehrungen berichtet das Buch voller Stolz vom ersten öffentlichen Platzkonzert am Ostersonntag, das die gesamte Dorfbevölkerung anlockte und für einen Moment die schweren Nachkriegssorgen vergessen ließ. Der unbändige Wille, die musikalische Tradition fortzuführen, spricht aus jeder Zeile.